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Biografie aus dem Taschenbuch„Superfrauen 1 - Geschichte“von Ernst Probst
Der zweifelhafte Ruf, Bayerns bekannteste Mätresse gewesen zu sein, gebührt der Tänzerin Lola Montez (1818–1861), geborene Maria Dolores Eliza Gilbert. In sie verliebte sich König Ludwig I. (1786–1868) so unsterblich, dass er ihretwegen in seinem Land eine ernste Staatskrise heraufbeschwor. Einem Freund vertraute der bayerische Herrscher in einem Brief über seine Affäre an: „Eßlust und Schlaf verlor ich zum Teil, fiebrig heiß wallte mein Blut, in des Himmels Höhen hob es mich, meine Gedanken wurden reiner, ich wurde besser.“
Maria Dolores Eliza Gilbert kam am 25. August 1818 als Tochter eines schottischen Offiziers und einer Kreolin in Limerick (Irland) zur Welt. Bis zum Alter von neun Jahren lebte sie in Kalkutta (Indien), wo ihr Vater stationiert war. Danach wurde sie in einem britischen Internat erzogen.
Als Maria Dolores Eliza Gilbert 14 Jahre alt war, wollte ihre Mutter sie mit einem 60-Jährigen verheiraten. Doch Lola graute davor, sie ließ sich statt dessen lieber vom 30-jährigen Begleiter ihrer Mutter verführen, der für kurze Zeit ihr Mann wurde.
Später stellte sich Lola ohne Tanzausbildung bei einem Londoner Theater vor, wurde als Tänzerin engagiert und erntete beim ersten Auftritt wegen ihrer Schönheit allerlei Komplimente. Von 1842 bis 1846 reiste sie durch Europa und tanzte in Theatern von Paris, Warschau, Moskau und Berlin.
Wo Lola Montez auch immer auftauchte, gab es Skandale. Ihretwegen duellierten sich oft verliebte Konkurrenten. Wegen gebundener Männer, die nicht von ihr ablassen wollten, verwies man sie mehrfach aus einer Stadt. Außerdem rauchte sie verbotswidrig in einem Park und wurde deswegen eingesperrt. Manchmal ohrfeigte sie öffentlich Staatsdiener.
Nach abenteuerlichen Jahren traf Lola Montez 1846 ohne Ausweispapiere in der bayerischen Landeshauptstadt München ein. Dort gab sie sich fälschlicherweise als spanische Tänzerin adliger Herkunft namens Señora Maria de los Dolores Porris y Montez aus.
Weil der Intendant der Münchener Hofbühne sie nicht auftreten ließ, wandte sich Lola an König Ludwig I. Dieser war ein Freund der Künste und schöner Frauen, wovon die in Schloss Nymphenburg aufgehängten Bilder von 38 attraktiven Damen zeugen, die er porträtieren ließ.
Am 7. Oktober 1846 begegneten sich erstmals der 60 Jahre alte Ludwig I. und die 28-jährige Lola Montez. Bei dieser Audienz verfiel der Monarch – seit 1810 mit Therese Charlotte Luise von Sachsen-Hildburghausen (1792–1854) verheiratet, die ihm vier Söhne und vier Töchter schenkte und nach der die Münchener Theresienwiese benannt wurde – dem Charme der rassigen Tänzerin.
Ludwig I. fing sofort Feuer und wurde zum Schutzherrn und Mäzen von Lola Montez. Weniger begeistert als der in Liebe entflammte Landesvater war das Münchener Publikum bei Lolas drei Auftritten. Es reagierte darauf mit „unerwarteter Kälte“. Der König schenkte Lola Montez ein Haus, in dem er sie fast täglich besuchte. Zu ihren Gunsten änderte er sogar sein Testament.
Lola intrigierte gegen unliebsame Zeitgenossen, die prompt bei Ludwig I. in Ungnade fielen. In der Öffentlichkeit trat sie oft mit Reitpeitsche auf und provozierte Zwischenfälle mit Privatpersonen. Als der Münchener Polizeidirektor gegen sie vorging, versetzte ihn der König zur Strafe in die Provinz. In Witzblättern und Karikaturen nannte man Lola „die spanische Fliege“, „des Königs tolle Tänzerin“, „schwarzer Teufel“ und „bayerische Pompadour“.
Die betrogene Königin Therese ertrug die seelischen Belastungen geduldig und gewann so beim Volk viele Sympathien. Dagegen wuchs der Widerstand gegen König Ludwig I. ungeachtet seines Ansehens als Schöpfer prächtiger Bauten, die München den Beinamen „Isar-Athen“ einbrachten.
Nachdem der Monarch seine Geliebte zur „Gräfin von Landsfeld“ ernannt hatte, trat 1847 das bayerische Kabinett unter Ministerpräsident Karl August von Abel (1788–1859) zurück. Studenten demonstrierten vor dem Palais der frischgebackenen Gräfin und warfen Fensterscheiben ein.
Nach weiteren Protestaktionen von Studenten gegen die Montez befahl Ludwig I. am 9. Februar 1848, die Universität zu schließen. Am 10. Februar 1848 zogen „tausend der achtbarsten Bürger“ vor die Münchener Residenz, verlangten politische Reformen, Wiedereröffnung der Universität und Ausweisung von Lola Montez. Es folgten unruhige Wochen, die mit den so genannten Münchener „Märzstürmen“ eskalierten.
Angesichts drohender Ausschreitungen gab König Ludwig I. am 16. März 1848 bekannt, dass Lola Montez die bayerische Staatsbürgerschaft aberkannt wurde und dass sie zu verhaften sei, wo immer sie in Bayern angetroffen werde. Aber die „Gräfin von Landsfeld“ war schon über alle Berge. Zeitweise standen sich sogar Volk und Militär bewaffnet gegenüber. Am 19. März 1848 musste Ludwig I. zugunsten seines Sohnes Maximilian II. Joseph (1811–1864) auf den Thron verzichten.
Lola Montez lebte danach in Großbritannien, Spanien und ab 1851 in Nordamerika. 1851 erschienen ihre Memoiren, die 1986 eine Neuauflage mit rund 1800(!) Seiten erlebten. In den USA trat sie mit einer Tanztruppe als „Lola Montez in Bavaria“ in New York und San Francisco (Kalifornien) sowie als Westernlady in Goldgräberstädten auf, hielt Vorträge über ihre Reisen, über heroische Frauen in der Geschichte und über Schönheitspflege.
Während ihres Aufenthalts in San Francisco sah man Lola Montez zuweilen in abenteuerlicher Aufmachung auf der Straße. Sie rauchte eine Zigarre, auf ihrer Schulter saß ein Papagei und sie führte zwei Windhunde an der Leine. Später ließ sich Lola auf einer Besitzung in Grass Valley nieder, wo Prospektoren ihr zu Ehren einen Berg als „Mount Lola“ bezeichneten, und hielt einen Bären als Haustier.
Am 17. Januar 1861 starb Lola Montez verarmt als 42-Jährige in New York und wurde in Brooklyn begraben. Ludwig I. lebte nach seiner Abdankung fast noch 20 Jahre lang. 1854 erlag seine Gattin, Königin Therese, im Alter von 62 Jahren der Cholera. In ihrem Testament bedankte sie sich bei ihrem Gatten „für jeden Beweis der Liebe, durch welchen er mir das Leben zu verschönern wußte.“
Ludwig I. pries noch als 70-jähriger in 250 Gedichten die Schönheit und Frömmigkeit der Hofdame Carlotta Freiin von Breidbach-Bürresheim (1838–1920). Diese lehnte jedoch seinen Heiratsantrag ab und ehelichte statt dessen den Grafen Philipp von Boos zu Waldeck (1831–1917), worauf ihr der abgeblitzte Bewerber 50000 Gulden schenkte. Bis kurz vor seinem Tod nahm Ludwig I. an Bällen und Einladungen in Nizza (Frankreich) teil. Am 29. Februar 1868 hauchte er im Alter von 82 Jahren in Nizza sein Leben aus. Sein Leichnam wurde von einer Ehrenkompagnie des bayerischen Heeres nach München geholt und in der von ihm errichteten Basilika St. Bonifaz beigesetzt. Der protestantischen Königin Therese blieb auch im Tode der Platz neben ihm verwehrt. Für sie hatte Ludwig I. eine Seitenkapelle errichten lassen.
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