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5. Da die Schluß Examina für das Wintersemester wegen der Vorfälle vom ersten März nicht vorgenommen werden konnten: so erschien neuderdings ein Rescript vom königl. Ministerium, wonach die Examina schriftlich abzuhalten seien: u. so hatten wirmittags das erste aus der mittleren Geschichteunter Leitung des Prof. Geus, der die 22 FragenHöflers dictirte, von denen wir dann 2 zurBeantwortung auswählen konnten. Was von diesen schriftlichen philosophischen Examina zu halten sei, überlasse ich dem Gutdünken eines Jeden; nur so viel will ich erwähnen, daß es viel besser gewesen sei, uns Frequenszeugnisse zu geben, als solchen Hohn zu treiben!
6. Als ich heute morgens nach dem schriftl. Examen aus der Physik nach Hause kam, erzählte mir die Schwester meiner Hausfrau: sie sei gerade mit dem Aufräumen meines Zimmers beschäftigt gewesen, als ein ganz nobler Herr eingetreten sei u. die Frage aufgeworfen habe: wohnt hier nicht ein Student? Ach wie heißt er denn nur, sein Namen ist mir entfallen: „Rost“ antwortet sie; richtig: diese Pfeife dort hat er mir zum Geschenk gemacht, wollen Sie die Güte haben, mir dieselbe übergeben. Sie dagegen: Ohne Auftrag von ihm selbst, kann ich Ihnen dieselbe nicht überreichen.
„Scheine ich Ihnen vielleicht verdächtig“ war seineAntwort; nein, kommen Sie später wieder u. als er sich angelegentlich erkundigte, ob sie allein zu Hause sei: sagte sie „nein, worauf der sich denn endlich entfernte. – Ich selbst habe keinem Menschen eine zum Geschenke versprochen, kann also nicht anders schließen, als daß dieser Unbekannte ein sogenannter Industrie Ritter ist. – Nachmittags hatten wir schriftliches Examen aus der Archäologie, das an Lasaut... Stelle Prof. Thiersch abhielt.
Nach dem schriftl. Examen aus der bayerischen Geschichte begab ich mich in das Kupferstich-Kabinet der Pynakothek, wo ich mir aus der deutschen Schule die Lithographien u. Kupferstiche Albrecht Dürers vorlegen ließ. Es mögen wohl an 700 Blätter sein, theils das Leben d. heil. Maria, theils das Leben Christi, Schlachten, Wappen, einzelne Figuren darstellend. Das Merkwürdige an ihnen ist, daß sie der berühmte Meister nicht nur entworfen, sondern auch selbst
geschnitten u. gestochen hat. ... – Abend führte mich als Gast Weiß, Corpsbursch der Isaria in ihre Kneipe zu den vier Jahreszeiten ein. Unter abwechselnden Gesprächen und Gesang verging mir der Abend sehr vergnügt: ich lernte da ihren Senioren Wagner, Max u. Consenior Schlosser, sowie Corpsb. Anzenhofer aus Dillingen kennen. Auch Prof. Kunstmann, ein Philister von ihnen, war gegenwärtig; derselbe, früher Hofkaplan der Kaiserin von Braganza, trägt an Philipps Stelle Kirchenrecht vor: Außer ihm waren noch 6 Philister anwesend.
8. Da mit dem Sommersemester hier Stundung eingeführt, zog ich es doch vor, lieber gleich zu zahlen u. so entrichtete ich denn heute folgendes Honorariengeld:
Aestehetik bei Thiersch 9 f. --
Neuere Gesch. bei Neumann 9 f. --
Math. phys. Geog. bei Recht 7 f.
Relig. Phil. bei Döllinger -- --
Physik bei Sieber -- -- 25 f. --
Die beiden letzten Herren hatten die Güte, mir die Honorarien nach zu lassen, was ich dankbar anerkenne.
Von diesen 5 Collegien wird Aesthetik, Neuere Geschichte u. Physik 5 mal wöchentlich gelesen: Religions Philos. u. Math. physikal. Geograph. 3 mal : alle jedoch morgens, so daß ich jeden Nachmittag u. jeden Samstag frei habe.
9. Fast unglaublich, und doch ist der Fall erst vor einigen Wochen hier vorgekommen, daß sich mehrere Mädchen u. junge Frauen aus einem Spiegel wahrsagen ließen! Sei es nun, daß die Einen gerne Männer gehabt, die anderen sich ebenso gerne andere gewünscht: ich will es dahingestellt sein lasse; aber zeugt es nicht von einer grenzenlosen Neugierde u. unverzeihlichem Aberglauben, sich das so unschätzbare Dunkel der Zukunft enthüllen lassen zu wollen, was keinem Menschen zu seinem Glücke vergönnt ist, zu lichten. Ganz abgesehen davon, daß diese Wahrsagungen ganz unwahr sind, so weiß ich nicht, wen ich von den Geteuschten für den Unglücklichern halten soll: denjenigen, dem zwar Glück prophezeit – aber bitter getäuscht durch das Gegentheil; oder jenen, den nach den Vorspiegelungen Unglück verfolgen wird. –
Bemitleiden muß man solche Frauen, verlachen kann ich sie nicht in ihrem Wahn.
10. Nach Brunnthal gegangen: hier unterhielt ich mich mit einer 84 jährigen Frau, deren Mann Oberauditor war: nicht genug konnte ich mich über sie verwundern, ihr Gang ist noch ziemlich rasch u. was noch mehr werth ist, ihr Geist fast gar nicht geschwächt: 42 Jahre lebte sie in der Ehe u. seit 21 Jahren ist sie Witwe: in Brunnthal gebraucht sie die Wasserkur während der Sommermonate.
11. Man erzählt sich jetzt wieder einen Geniestreich von L. Mo. Sie soll zu sich zum Dini einen Theaterschreiber eingeladen haben, der schon viele Schmähgedichte an sie verfaßt habe. Die ausgezeichnete Tafel ließ sich dieser munden u. bemerkte bei der lebhaften Unterhaltung nicht, daß sie das letzte Gericht nicht kostete. Als er sich den Mund abgewischt, erhob sie sich u. ihn durchbohrend anblickend sprach sie zu ihm: „Warum schmähen sie mich so in ihren Gedichten, verdiene ich es? Doch damit ich sie zum Stillschweigen bringe, so wissen sie: in der letzten Speise war das stärkste Gift! „Gift“ stammelte er u. wurde vor Todesangst leichenblas, greift nach seinem Hut, u. stürmt in Zuckungen nach Hause: „Ärzte, Ärzte“ schreit er. Sie kommen u. es stellt sich heraus, daß er nicht vergiftet war- - Welchen Schrecken hat es wohl diesem Mann durch die Glieder gejagt! - -
Vom Ministerium kam nun ein Rescript, alle Beamten hätten in Uniform die Frohnleichnamsprocession zu begleiten (wahrscheinlich auf den Wunsch derLo. Montez hin). Seine Majestät selbst wird sie mit S. Gegenwart verherrlichen; blos um demVolke zu zeigen, daß er noch ebenso gut katolisch ist wie früher! –
12. Um mir die französische Constructions-Weise anzueignen u. um dieser Sprache mächtig zu werden lese ich jetzt: La grande ville, nouveau tableau
de Paris comique, critique et philosophice, par
Paul de Kock. Bruxelles. 1842. Freilich bietet es mir anfangs Schwierigkeiten, doch hoffe ich,
dieselben nach und nach überwinden zu können. Nach einer kurzen Einleitung führt er uns auf seinemSpaziergange Dans Paris au hasard in ein „Bureau des nourrices“ u. bespricht dann Bains a domicile. So viel heute. –
Eine halbe Stunde mochte ich schon geschlafen haben, als ich erschrocken von meinem Lager emporfuhr u. der dumpfe Schall der Lärmtrommel mir den ganzenKörper durchschauderte. Schnell sprang ich ans offene Fenster u. vernahm dann, daß das Haus eines Stadtgärtners beim Pechgarten in lichten Flammen stehe. Doch bald schwiegen die Trommel u. die Glocken u. andern Tags hörte ich, daßdas Feuer bei der Windesstille nicht weiter um sich gegriffen u. blos das einzelne Haus eingeäschert habe.
Auf der Isaren-Kneipe gewesen; ihren Secretär Oberniedermeier u. dessen Bruder kennen gelernt.
Brachten die Corpsstudenten S. Majestät einen Fackelzug, weil der den Philosophen die Freiheit ertheilt, einem privilegirten Corps beitreten zu dürfen.: nach meiner Ansicht hätte aber dieser Fackelzug von den Philosophen ausgehen sollen.
Nun gut; diese versammelten sich dann am Universitäts Gebäude u. zogen mit 4 rauschendenMusik Chören der Ludwigstr. entlang vor die Residenz, u. nachdem sie hier einige griechische Feuer losgelassen schritten sie durch die Kaufingerstr.durch’s Karlsthor vor d. protestant. Kirche u. verbrannten hier unter „gaudeamus“ ihre Fackeln. Eine Masse Volkes begleitete den Zug, jedoch schienen sie nicht sehr diesen in Rauch aufgehenden Aufwand zu billigen, denn das ihm gebrachte „Hoch“ fiel äußerst piano aus. Die um die Residenz liegenden Gebäude: das Theater u. die Post nahmen sich in Fackelbeleuchtung mit hin u. herwogenden riesigen Schatten imposant aus.
16. Wir haben jetzt ein sehr fruchtbares Frühjahr: häufige Gewitter mit gedeihlichem Regen verbunden, des Tags über jedoch die Alles hervorlockende Wärme der Sonne, so daß es scheint, als ob sie gut machen wolle, was sie versäumt habe. – Der Eremit von Gauding fällt folgendes Urtheil über Lola Montez: ihre Schönheit ist Silber, Gold ist ihr Verstand, und Diamant ihr Muth! Was wünschen sie mehr?
17. Zur Erzgießerei lenkte ich heute abermals meine Schritte, um nochmals das Monument Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zu bewundern, indem es morgen verpackt wird.
Dasselbe ist nach Würzburg bestimmt, wo er es ist, der das in Deutschland einzige Spital gegründet, er, der für Franken soviel gethan. Dieses Monument verdankt seine Entstehung dem weltbekannten Kunstsinn unseres König u. wird eine Zierde Würzburgs werden, wo ohnedieß noch solcher Schmuck fehlt. Der Bi selbst steht im vollen Ornate in der linken...
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